Bulle – Rocker – Maler

Bulle – Rocker – Maler

Bulle – Rocker – Maler und der Music-Monday

Andreas Ole OhlendorffMusic-Monday, unter diesem Namen werde ich Euch jeden Montag ein neues Werk des Künstlers Andreas Ole Ohlendorff aus seiner Serie „Dead Rock Heads“ vorstellen. Ihr dürft Euch auf spannende Themen und Musiker freuen. Nun aber zum Künstler. Andreas Ole Ohlendorff hat im Laufe seiner Künstlerlaufbahn über 100 großartige, zumeist bekannte Künstler portraitiert, die eine besondere Rolle in seinem Leben und im Leben des Rock´n Roll gespielt haben und auch heute noch spielen.
 Zu jedem hier vorgestellten Musiker wird es einen spannenden Artikel und einen Musiktipp geben. 
Heute möchte ich erst einmal den Menschen und Maler Andreas Ole Ohlendorf vorstellen. Bulle – Rocker – Maler.

Diese Karriere dürfte es weltweit auch nicht allzu oft geben. Erzähl doch mal wie alles anfing.

“Entgegen der Untergangsprophezeihung des Abendlandes der Bildzeitung in den 60-ern schufen Rock- und Beat-Bands, wie The Beatles, The Rolling Stones, The Who, Led Zeppelin, Deep Purple und T-Rex ein völlig neues Lebensgefühl. Sie begleiteten meine unbekümmerte Jugendzeit und riefen ein Verlangen nach Freiheit und Spiritualität in mir hervor. Ich hörte BBC, RIAS Berlin und Radio Luxemburg. Brian Jones, Jimi Hendrix und Janis Joplin sterben kurz hintereinander an einer „Überdosis“ dieser neuen Droge namens Rock´n Roll. Diese Droge sollte auch mich nie wieder loslassen!”

Welches war dein erstes prägendes Großkonzert?

“Mit 17 Jahren erlebte ich in Barcelona mein erstes großes Live-Konzert: Eric Clapton. Eric spielte auch seinen neuesten Hit: „I shot the Sheriff… …but I didn ́t shoot the Deputy“ !!! Vielleicht schon eine Prophezeiung?”


Du warst beruflich bei der Polizei?

“1975 zog ich von Winsen nach Hamburg. Ein Tausch: Provinz gegen Millionenmetropole. Sechs Jahre war ich im Hamburger Polizeidienst tätig, zuletzt als Polizeimeister auf der weltberühmten Davidwache. St.Pauli, der Hafen, die Reeperbahn… – Die „Große Freiheit“ war überall um mich herum. Sowohl dienstlich, als auch privat gab es nun eine unglaubliche Vielzahl von Möglichkeiten, Bands live zu sehen und den Idolen meiner Jugend mal sehr nahe sein zu dürfen. So entstanden auch erste Freundschaften zu Musikern der Hamburger Szene im Chicago, Top Ten Club, im Onkel Pö, oder der Fabrik. Hamburg rockte… und ich mittendrin!!!”

Bulle, dann Rocker… Wie kam es dazu?

“Ich hatte mich zu entscheiden zwischen einer „sicheren“ Beamtenlaufbahn und der großen Welt des „Sex, Drugs and Rock´n Roll“. Ich entschied mich für mein Herz, verließ die Polizei und sah mir die weite Welt an, verdiente mein Geld u. a. als Roadie, Koch, oder Werftarbeiter. Auf diesem Trip lernte ich vor allem die unglaubliche Gastfreundschaft fremder Kulturen kennen und schätzen. Es stellte sich mir die Frage: Wer bist du, Ole, woher kommst du und wohin führt dich dein Weg? 1982 kehrte ich nach Deutschland zurück und fand in Lüneburg eine neue Heimat mit einer lebendigen, inspirierenden Musik- und Kneipenszene. Eine Oase für meine Seele.”


Wie hat der Rocker die Malerei in sich entdeckt?

“68er Studentenrevolte hatte damals auch an meiner Schule ihre Spuren hinterlassen. Ich bin meinem Kunstlehrer noch heute dankbar für die kreative Freiheit, die er uns damals einräumte. Wir durften viel Ausprobieren und Experimentieren. Hier liegen sozusagen meine künstlerischen Wurzeln begründet. Das malerische Potenzial schlummerte aber dann noch bis in die Mitte der 80er Jahre. Die Vergangenheitsbewältigung, insbesondere meine Polizeizeit in Hamburg und nachfolgende Ereignisse erweckten dann doch nachdrücklich das kreative Interesse. Die Aufarbeitung meiner Biografie mittels Leinwand und Farbe startete. Kindheit und Jugend – Bulle, Rocker, Maler.”

Wie hast du denn zu deiner Handschrift, also deinem unverwechselbaren Stil gefunden und seit wann lebst und arbeitest du nun schon als freischaffender Künstler?

Amy-winehouse„Ich wohnte also Anfang der 80er Jahre in Lüneburg und „residierte“ über einer Kneipe (Zum alten Kran) am Stintmarkt. Herrliches Mittelalter-Ambiente mit einem Mietvertrag auf dem Bierdeckel und exessives Ausleben einer spätpubertären Phase in einer Motorrad-Outlaw-Gang. Ich empfand mich damals als ausgesprochener Vollblut-Bohemien. Zunächst entwickelte ich autodidaktisch erste Fähigkeiten und Stilistiken, die auch schon auf meine spätere malerische Themenauswahl und Handschrift hinwiesen. Der Surrealismus, die Pop-Art und die Porträtmalerei hatten es mir besonders angetan. Ich reflektierte so zunächst meine wilde Rockerzeit. Der großartige Lüneburger Künstler Rudi Heilmann (leider schon verstorben) führte mich in die Geheimnisse der Malerei ein. Die ständige Auseinandersetzung meiner eigenen Vita und allen Erlebnissen bestimmt auch heute noch zu größten Teilen mein malerisches Schaffen.
”

Was hat dich bewogen den aktiven Rocker hinter dir zu lassen?

“Das Jahr 1990 wird dann zum entscheidenden Wendepunkt in meinem Leben: Ich landete in der Klinik, weil ich in allen Belangen Vollgas gegeben hatte. Mein Leben hing an einem seidenen Faden und da beschloss ich: Ole, gib deinem Leben eine andere Richtung!
 Seitdem lebe und arbeite ich als freischaffender Künstler.“

Bewegend! In der Hauptsache malst du verstorbene Rockmusiker. Warum?

“Geprägt durch die intensiven Eindrücke einer Reise nach London habe ich im Jahr 1996, versunken in die Musik der Beatles mit dem Porträt von John Lennon den Grundstock zu meinem malerischen Hauptwerk gelegt. Es folgten dann in kurzen Abständen schnell weitere Ikonen wie Jim Morrison (The Doors), Jerry Garcia (Grateful Dead), Marc Bolan (T-Rex) und Frank Zappa (Mothers of Invention). Neben diesen Rockgrößen gesellten sich aber auch weniger bekannte Musiker dazu, wie z.B. Bruno Frenzel (Birth Control), Michael „Mietze“ Mietzner (Dirty Dogs) oder der Lüneburger Chris Thornton (Subway). Entscheidend für die „Aufnahme“ in meine Serie ist also nicht allein die Berühmtheit eines Musikers, sondern meine Erinnerungen und Emotionen, die ich mit der jeweiligen Musik verbinde. Es geht um Identität. Um Leben. Um Musik. Um Tanz. Um Vergänglichkeit. Um Gefühle. Es geht um dich. Um mich. Um uns! Und es war für mich an der Zeit, eine Geschichte in Bildern zu erzählen, um so das Feuer weiterzureichen: Eine Geschichte für alle, die damals dabei waren und sich noch erinnern können, besonders aber auch für jene, die niemals dabei sein konnten, weil das Ganze schon lange her ist.”

“Viele der „Dead Rock Heads“ haben die nachfolgenden Musikstile und Musiker inspiriert. Meine Porträts erzählen u. a. die Geschichte der „Rebellenromantik“ und sollen erinnern, dass eine bessere Welt möglich ist…

Danke an Daniel Hambrock für die Bilder 

Vielen Dank, lieber Ole, das war ein bewegendes Interview. Ich freue mich auf Deinen ersten “Dead Rock Head” am kommenden Montag, den 13.01.2014 – Amy Winehouse!

 

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Andrés Balhorn

Owner and Founder bei POWERVOICE
Andrés Balhorn ist POWERVOICE Gründer, Vocal Coach Ausbilder, Rocksänger, Produzent und Komponist. Seit 1987 ist er als Dozent ein Vorreiter für modernen für Rock/ Pop Gesangsunterricht. Sein 1996 im GERIG Verlag erschienenes Buch POWERVOICE avancierte zum Fachbuchbestseller und ist mittlerweile in der 14. Auflage. Mit mehr als 600 gegebenen Workshops ist er einer der erfahrensten Vocal Coaches in Europa.

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