Sängerausbildung: Azubi-Blog Teil 4/6 – 09.08. – 10.08.2025

Sängerausbildung: Azubi-Blog Teil 4/6 – 09.08. – 10.08.2025

Ausbildungseinheit 4/6 vom 09.08. – 10.08.2025

Willkommen zum 4/6 Teil unserer Sängerausbildung

Wow, es geht schon auf das Ende zu?! Dies ist mein 4. Azubi-Blog der Sängerausbildung und das heißt, es stehen nur noch 2 Ausbildungswochenenden an.

Gude aus Hanau erstmal! Vielleicht gehörst du, wie viele meiner Kollegen auf der Arbeit, zu den Glücklichen, die jetzt erst in ihre Urlaubszeit starten. Ich freu mich für dich. Und falls du, wie ich gerade deinen letzten Urlaub des Jahres verbracht hast: Ich leide mit dir.

Hausaufgaben und Vorbereitung

Lass´ mich dich ein paar Minuten aus deinem Alltag entführen und an meinem 4. Ausbildungswochenende der Sängerausbildung am Rocklantic teilhaben. Die Hausaufgaben fühlten sich für mich wieder mal wie ein Sprung vom 10-Meter Turm aus der Komfortzone an. Ein Jazz Song, einen Hippiesong und einen Party- oder Dance Song.

So ziemlich nichts, was ich bisher aktiv oder bewusst gehört habe. Glücklicherweise gab Andrés uns dieses Mal Listen von Songs mit, aus denen wir auswählen konnten. Bei Jazz und Hippie sprangen mich 2 Songs direkt an und bei Party fühlte es sich sogar wie die Qual der Wahl an! Ich hatte mich also wieder mal getäuscht, meine Befürchtungen waren wieder mal unnötig. Ich lerne gerade positiver an viele Dinge heranzugehen.

Vom vorherigen Wochenende hatte ich bewusst mitgenommen, akribischer an Songs zu arbeiten. Und tat zum Start in die Übungszeit natürlich erstmal das komplette Gegenteil. Andrés Anregung, auch bewusst in die stimmliche „Tiefe“ zu gehen, brachte mich wieder auf die Idee, Songs an der Akustikgitarre zu begleiten. Da kann ich schnell und beliebig transponieren. Es brachte mich aber auch auf die Idee, endlich wieder Straßenmusik zu machen.

Das hatte ich vor über einem Jahr mal in meiner Heimat Hanau gemacht, es dann aber aus unterschiedlichen Gründen (Leben und so …) nicht weiterverfolgt. Du siehst, ich wollte mir nicht zu viel auf einmal vornehmen! Mein konkreter Plan sah wie folgt aus: Für die Bühne zuerst „Fly Me To The Moon“ akribisch einstudieren, anschließend „All You Need Is Love“ und dann „La Vida Loca“.

Ach ja, und ich wollte nebenbei – akribisch natürlich – „I See Fire“ und „Country Roads“ mit Gitarre als Begleitung einstudieren. Meine Idee war dabei, dass ich Zeit sparen müsste, da ich die Songs ja bereits für die letzte Show gelernt hatte. Auch wenn ich in Summe etwas weniger Übungszeit als im vorherigen Monat hatte, kam ich aus meiner Sicht gut voran. Ich teilte zwischen Bühnen Songs und Straßensongs auf und arbeitete immer nur an einem Song, bis er aus meiner Sicht gut genug saß. Und ich ging deutlich akribischer vor.

Ich pickte mir immer nur einzelne Songzeilen raus und auch nur, wenn sie nicht sofort klappten. Und ich sang fast gar nicht am Mikrofon, bis der Song wirklich saß. Bei den Straßen Songs achtete ich auch – viel bewusster als früher – darauf, dass die Begleitung der Gitarre „tight“ war. Also sehr exakt und kein „Geschrammel“, wie der Gitarrist sagen würde. Ich sagte ein paar Mal zu meiner Frau, dass es mir so viel mehr Freude bereite zu üben, weil ich zwar nur kleine Verbesserungen erzielte, die aber schnell spürbar waren. Als die letzte Woche vor dem Wochenende anfing, merkte ich dann, dass ich einen dritten Bühnensong nicht schaffen würde. „Fly Me To The Moon“ und „All You Need Is Love“ saßen nach meinem Empfinden sehr gut und „La Vida Loca“ hatte ich immer noch in meiner Playlist. Aber ich merkte auch, dass der Song zu viele Details hat und von der Tonhöhe zu herausfordernd war, um ihn in einer Woche bühnenreif vorzubereiten.

Deshalb entschied ich mich, Andrés offen meine „Doppelgleis“ Strategie zu teilen und mir auch Feedback zu den Straßensongs einzuholen. Das fühlte sich für mich gut an und so konnte ich mich auf das Wochenende freuen.

Leider sagten dann aus Krankheits- und privaten Gründen Eva, Chris und Dirk. Zum Glück kannte ich bereits „eine Show mit drei Teilnehmern“ reißen zu dürfen und so kreisten meine Gedanken im Stau, wie Andrés und wir das wohl umsetzen würden, um eine coole Show hinzulegen.

Ich konnte die restliche Fahrt noch für eine extrem wichtige Weiterbildung nutzen. In meinem letzten Blog hatte ich geschrieben, dass ich für mein „Unkenntnis“ von Bad Moon Rising einiges an Sprüchen erntete und das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Also gabs die Spotify Playlist mit vielen Songs von Creedence Clearwater Revival – und ich muss feststellen, die haben ja echt viele geile Songs!

So startete ich – durch den Stau etwas verspätet – in die Session mit Andrés und ab da nahm das Wochenende mehr überraschende Wendungen als an allen vorherigen. Ich hatte zwar viel Zeit mit dem Üben der Straßensongs verbracht, wollte die aber gerne als „Topping“ für die Show nutzen.

Manchmal kommt es anders

Andrés schlug jedoch vor, dass wir mit den Straßensongs und Country Roads starten und gab mir vorher nochmal eine kleine Lektion zu straßentauglichen Songs. Ich dachte schon, dass ich bewusst bekannte Songs ausgewählt hätte, unter anderem I“ See Fire“, „Perfect“ und „Altes Fieber“, aber weitgefehlt. Als mir Andrés eine Übersicht mit entsprechenden Songs zeigte, dachte ich „ahja klar, die Songs sind ja noch viel bekannter und kenne ich schon viel länger“, aber sie waren außerhalb meiner heutigen Hörgewohnheiten.

Songs wie Country Roads, Qué Sera, Sera oder Mighty Quinn waren beim Villa Of Music Workshop in Málaga wohl die Renner beim Publikum. Andrés gab mir auch noch den Tipp mit, mich an der Hermes House Band zu orientieren, da die oft Songs auswählen, die „funktionieren“, also für ein Mitmachen der Menschen sorgen.

Das ist doch eigentlich auch das, was ich bei Straßenmusik erzielen will?! Damit war für mich direkt eine Hausaufgabe klar, mein Straßenmusik Repertoire anzupassen und zu erweitern. Dann stiegen wir weiter bei Country Roads ein und ich hätte mir nie träumen lassen, auf welche Dinge wir alles geschaut haben.

Ihr müsst wissen, dass ich seit meinem 5. Lebensjahr „Musik mache“. Warum schreibe ich das in Anführungszeichen? Naja, ich fing mit 5 an, Klavier zu spielen und hatte bis ich 16 war, klassischen Unterricht und auch Theorieunterricht an einem Konservatorium in Magdeburg. Solange dauerte es, bis ich den Spaß komplett verloren hatte. Durch Zufall gab mir mein Papa dann seine Konzertgitarre aus der DDR, die er damals zur E-Gitarre umgebaut hatte und ich entdeckte mein musikalisches Heimat-Instrument. Das führte mich dann im Studium auch zu Bands, wo ich die zweite Stimme singen musste, zum Chor und allerlei anderen musikalischen Projekten.

Was mir jedoch durch die Sängerausbildung am Rocklantic und insbesondere dieses Einzelcoaching mit Andrés bewusst wurde: Bis heute denke ich Musik sehr durch den theoretischen Rahmen aus der Musikschule, der mir außerdem sagt, wann ich etwas „richtig“ spiele. Was kann daran schlimm sein? Naja, aus harmonischer Sicht spiele oder singe ich vielleicht die richtigen Töne, aber beim Zuhören wird immer ein Gefühl entstehen von „Da fehlt doch was.“ – weil das Leben, das Gefühl in der Musik dabei komplett außen vor ist. Das sollte mich am Sonntag nochmal einholen, aber gedulde dich noch kurz.

Erstmal zeigte mir Andrés an der Gitarre, wie ich auf der Straße noch dynamischer begleiten kann und mehr Groove in einen Song bringe. Ich musste mich dafür kurz sammeln, weil mein Kopf erstmal dachte „Boah, der kann schon so geil singen und nun spielt der Arsch auch noch besser Gitarre als ich …“

Anschließend gingen wir auf einige gesangliche Dinge ein, aber der Hauptfokus lag darauf, wie ich mit den Menschen interagieren kann, wenn ich Straßenmusik machen. In Summe bekam ich einen Crashkurs in die Gesetze der Straßenmusik und fühlte mich super motiviert, das endlich wieder umzusetzen!

Daran arbeiteten wir fast das gesamte Einzelcoaching weiter und abschließend kamen dann noch meine eigentlichen Bühnensongs. Das fühlte sich für mich komisch an und ich fragte Andrés mehrmals, ob wir darauf nicht mehr Zeit verwenden sollten. Da wir am Wochenende nur zu Dritt sein würden, wollte Andrés gerne noch persönlicher auf uns eingehen und im Nachhinein muss ich sagen: Straßenmusik ist für mich gerade der schnellste und beste Zugang, um endlich wieder vor Menschen aufzutreten. Also nutzten wir die Zeit genau richtig.

Am Ende meines Einzelcoachings war ich wie bei allen Wochenenden wieder motiviert und arbeitete direkt mit Let It Be an meinem Straßenrepertoire, bevor ich in den Abend startete.

Der Samstagmorgen

Am nächsten Morgen stieg ich direkt wieder dort ein, bis Astrid an der Tür klingelte. Dann kamen wir erstmal zusammen an und tauschten uns aus, Astrid hatte ja die letzten beiden Wochenenden leider verpasst.

Ein wenig später kam dann noch Tatjana und komplettierte bereits unsere Gruppe an diesem Wochenende. Andrés und Marion begrüßten uns direkt mit der Aussicht, dass uns Verena, SIA Azubi-Bloggerin der letzten Einheit und Kathrin ebenfalls aus der letzten Sängerausbildung, bei der MUSIC NIGHT unterstützen würden.

Bis 16 Uhr hatten wir nun Zeit, uns um unsere Songs und die passende Show zu kümmern. Vor allem für Songs von Tatjana arbeiteten wir viel an der begleitenden Choreo, um „Imagine“ und „Let’s Dance“ von David Bowie möglichst stark in Szene zu setzen – passend zu den starken und bewegenden Hintergründen dieser Songs. Zu „Let’s Dance“ werde ich dir später beschreiben, wie es während der Show ablief. Als wir zu meinen Songs kamen, ging es für mich mit den Überraschungen direkt weiter.

Andrés forderte mich nämlich, die Straßensongs – ich hatte mich für „Country Roads“ und „Wonderwall“ entschieden – als solche zu performen und mit Tatjana, Astrid und Marion die Situation auf der Straße nachzuempfinden. Puh, langsam fühlte es sich nicht mal mehr nur wie ein Sprung vom 10 Meter-Turm aus der Komfortzone an.

Von unserem Einzelcoaching hatte ich noch die musikalischen „Verbesserungen“ im Kopf, die ich erstmal umsetzen wollte und nun sollte ich direkt auch ausprobieren, mit den Dreien während des Songs zu interagieren. Bei Wonderwall mal auf die Knie gehen und jemand ansingen? Klar, warum nicht… Und alle gaben nochmal so viele hilfreiche Tipps für den erfolgreichen Auftritt auf der Straße, dass ich am liebsten ein Diktiergerät hätte mitlaufen lassen.

Was nehme ich für meine nächsten Auftritte auf der Straße konkret mit? Immer auf die Menschen zu achten, statt in eine Gitarristenroutine zu verfallen und immer mal wieder auf das Griffbrett zu schauen.

Und dann bewusst wahrnehmen, wie es den Menschen geht, natürlich auch mit meiner Musik. Wem kann ich in die Augen schauen und Kontakt aufbauen, auf wen darf ich zugehen und vielleicht auch einen lockeren Spruch bringen? Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, meine Intention für Straßenmusik zu ändern. Es geht nicht darum, dass ich mir dort eine gute Zeit für mich mit Musik mache, sondern Menschen Freude zu bereiten – ihnen vielleicht einen Song zu spielen, der alte Gefühl aufleben lässt – und auch mit ihnen ins Gespräch kommen.

Bisher hatte ich eher das Bild, ich müsste dort möglichst fehlerfrei und „toll“ meine Songs präsentieren. Du merkst dort bestimmt meine Prägung durch die klassische Musikausbildung. Dann lebt die Musik aber nicht und auf der Straße gilt vielleicht so sehr wie nirgends sonst: Musik ist Leben.

Außerdem möchte ich mit einem Outfit mit Wiedererkennungswert auf die Straße gehen. Schau gerne in die Reels zur Show, dann bekommst du eine Idee, was mir vorschwebt. Dann ging es in eine kurze Pause, denn Kathrin und Verena sollten gegen 16 Uhr zu uns stoßen.

Der Samstagnachmittag

Wie schon beim letzten Mal gab das Zusammensein zu Dritt einen vertrauten Raum, um uns auszutauschen und ich erlebte es als bereichernd, nun mit Astrid und Tatjana etwas mehr ins Gespräch zu kommen. Natürlich ging es dabei auch um die anstehende Show und wie schon bei den letzten Wochenenden verflog die Pause sehr schnell. Das ist ein nicht zu unterschätzendes Element an der Sängerausbildung. Man ist wirklich fast das ganze Wochenende immer „on“ und muss die Energie hochhalten.

Jetzt mussten wir ja auch zügig mit Kathrin und Verena festlegen, welche Songs wir in welcher Reihenfolge singen würden und wie wir die Abläufe zwischen den Songs gestalten könnten. Beim letzten Wochenende hatten wir ja auch bereits tolle Unterstützung durch Anne-Kathrin und Biggi bekommen, allerdings gab es dort vor der Show nicht die Möglichkeit, gemeinsam die Generalprobe zu machen. Das war mit Kathrin und Verena anders und wenn ich nicht jetzt schon in der Sängerausbildung wäre, dann hätten mich die beiden auf jeden Fall zum Teilnehmen inspiriert.

Bei beiden hatte ich sofort das Gefühl, dass sie wissen, warum und wie sie auf der Bühne stehen. Wenn ich Ende Oktober meinen letzten Azubi Blog schreibe, werde ich euch hoffentlich Ähnliches über mich selber schreiben.

Beim Festlegen der Songreihenfolge wurde ich übrigens nochmal richtig durchgeschüttelt. Bis dahin hatte ich nämlich fest im Kopf, dass ich meine einstudierten „Bühnensongs“ Fly Me To The Moon und All You Need Is Love singen würde. Aber Andrés hatte einen anderen Plan im Kopf, der im Nachhinein total nachvollziehbar war: Wenn wir in den Einzelcoachings und den Proben soviel auf die Straßenmusik Songs gehen, warum dann nicht auch in der Show so performen?!

Trotzdem fühlte ich mich überraschend nervös und ich spürte das vor allem bei der Aussicht, Wonderwall zu performen. Den Song kenne ich zwar schon seit fast 20 Jahren auswendig auf der Gitarre und singe ihn schon mindestens 15 Jahre, aber ich hatte ihn eben nicht auf die Show hin vorbereitet. Eigentlich verrückt, dabei nicht auf mich selbst zu vertrauen und Sicherheit zu empfinden, oder?

Nach der Generalprobe blieben uns weniger als 45 Minuten, um uns für die Bühne vorzubereiten. Dieses Mal hatte ich endlich auch mal ein Outfit vorbereitet, nachdem ich beim letzten Wochenende so oft darauf gestoßen war, wieviel das auf der Bühne ausmachen kann.

Uuuund große Überraschung: Es fühlte sich einfach nur gut und irgendwie auch beruhigend an, mich bewusst in ein Outfit für den Abend zu schmeißen. Wenn du im Reel bei den Straßenmusik Songs mein Outfit siehst, kannst du ja gerne mal schreiben, ob sich meine Outfitauswahl gelohnt hat.

Folge uns Backstage auf Facebook oder Instagram

Showtime – MUSIC NIGHT am Rocklantic

Die Show ging los und Astrid eröffnete schwungvoll mit „I Wanna Be Like You“, dem Song von King Louis aus dem Dschungelbuch. Tatjana übernahm mit einem bewegenden Bühnenbild für den Song „Imagine“. Dafür gingen Astrid und ich nämlich als Soldaten an ihre Seite, inklusive Gewehren aus Plastik, die während des Songs die Bedrohung durch Krieg symbolisierten und am Ende gehen eine Blume ausgetauscht wurden – the „World as One“.

Danach ging ich das erste Mal auf die Bühne und performte „All You Need Is Love.“ Bei dem Song haben die Beatles übrigens eine grenzenlose Welt dadurch symbolisiert, dass der Takt sich entlang des Songs immer zwischen 3/4 und 4/4 abwechselt – vielleicht für alle Musiktheorieliebhaber unter euch ganz spannend! Der Song machte mir richtig Spaß, wir hatten uns nämlich vorher noch einen kleinen Kniff überlegt.

Immer wenn das Wort „Love“ kommt, würde jeder im Raum einen „Love-Lolly“ hochhalten. Das Wort „Love“ kommt übrigens 67 mal im Song vor, du kannst dir also vorstellen, was für eine coole Dynamik das mit dem Publikum erzeugt hat.

Danach ging es das erste Mal mit unseren Gästen Verena, Kathrin und „Summer of 69“ sowie „Bad Moon Rising“ weiter. Astrid und Tatjana nahmen uns dann mit „Lullaby of Birdland“ und „Fly Me To The Moon“ in die Welt des Jazz mit.

Dann kam ich mit meinen beiden Straßenmusik Songs und startete mit „Wonderwall.“ Was hatte ich oben geschrieben? Eigentlich verrückt, deswegen nervös zu sein? Genau, der fühlte sich für mich nämlich einfach rund an und ich konnte mich voll darauf konzentrieren, beim Publikum zu sein. Und das hat einfach nur Spaß gemacht, weil sehr viele den Song kannten und kräftig mitsangen.

Ich bin gespannt, wie es mir auf der Straße gelingen wird, Menschen so zum Mitmachen zu animieren. Genauso ging es mir bei „Country Roads“ und das war sogar noch etwas cooler, da ich wirklich allen im Raum anmerkte, dass sie den Songs kannten.

Die beiden Songs motivierten mich total, an meinem Vorhaben Straßenmusik zu machen dranzubleiben. Und sie taten noch etwas viel Wichtigeres für mich. Bis zu dieser Ausbildungseinheit hatte ich mir im Kopf gesagt, dass ich mich nur auf Gesang konzentrieren müsse, um „erstmal richtig singen zu lernen“ und hatte mir daher die Begleitung mit Gitarre verboten.

In der bisherigen Ausbildung waren das aber bisher die beiden Songs, bei denen ich mich gesanglich am freisten gefühlt habe. Beim Schreiben dieser Zeilen merke ich, dass hier meine innere Stimme von „wenn du was machst, dann musst du es richtig machen“ übernommen hatte. Ja, ich mache eine Sängerausbildung und da sollte ich auch einen Fokus auf meiner stimmlichen Entwicklung haben, aber es war nicht nötig – man könnte es auch dumm nennen – mir mein Herzensinstrument zu verbieten, um mich selber zu begleiten.

Das Experiment mit „Lets Dance´“ von David Bowie

Mit diesem positiven Gefühl konnte ich die letzten Songs sehr frei genießen. Vor allem Tatjanas Performance von „Let’s Dance“ nahm mich, wie auch schon in den Proben, nochmal sehr mit. Um das Gefühl der Unterdrückung und völligen Abhängigkeit der Aborigines, von denen David Bowie im Song singt, für alle erfahrbar zu machen, verteilten wir Schlafmasken im Publikum. Für den Song gingen alle zu Zweierpaaren zusammen, einer zog die Maske an und wurde anschließend durch die sehende Person durch den Raum geführt. In der Mitte des Songs wurde gewechselt, damit jeder in das Gefühl eintauchen konnte. Vor allem mit der Showbeleuchtung kann ich euch nur schreiben, dass man wirklich nichts mehr sehen konnte, sich also voll auf die andere Person verlassen musste. Für mich war das sehr bedrückend und beängstigend. Und ich finde es cool miterlebt zu haben, wie Musik in diesem Moment zur Kunst gemacht wurde.

Open Stage

Nach einer wieder mal lustigen und bunten Open Stage blieb für mich am Ende des Abends wieder ein Gefühl von Zufriedenheit, da wir uns zu Dritt, aber natürlich mit toller Unterstützung von Kathrin und Verena eine gelungene Show erarbeitet hatten.

MUSIC NIGHT am ROCKLANTIC

Sonntag – Videoanalyse

Am Sonntag gab es wie üblich die Videoanalyse, diese fühlte sich für mich besonders hart an. Wir starteten zunächst mit unseren persönlichen Eindrücken. Was nahmen wir vom Abend mit? Was denken wir, wird beim Publikum hängen geblieben sein? So weit, so gut.

Dann sahen wir Tatjanas Performance von „Imagine“ und ich bekam einen ersten ehrlichen Blick „in den Spiegel“. Wir hatten einige Dinge abgesprochen, auf die wir achten sollten und genau die setzte ich um. Klingt doch richtig? Naja, irgendwie sah es bei mir dann eher, sagen wir komisch aus?! Und mit Astrid als Vergleich konnte ich auch schnell sehen, woran das lag. Astrid hatte es geschafft, in die Rolle eines Soldaten zu schlüpfen, der die Zuschauer bedroht. Ich versuchte, einen Soldaten zu spielen, der Zuschauer bedroht.

Hier kam für mich wieder das Thema auf, das wir in jedem Wochenende an unterschiedlichen Zeitpunkten hatten: Wenn ich auf die Bühne gehe, dann muss ich mit einer klaren Intention auf die Bühne gehen. Danach kam „All You Need Is Love“ und meine persönliche Achterbahnfahrt ging weiter. Schon bei meiner Anmoderation dachte ich: Was tue ich denn da? Das wirkte eher, als ob ich einen langweiligen Vortrag einführen würde, für eine Veranstaltung, auf die keiner so richtig gerne gehen wollte. Wenig lebendig.

Ich sprach, sowohl mit meiner Stimme als auch meinem Körper, so, dass mir niemand etwas vorwerfen könnte – aber hängen bleiben, würde das auch nicht. Genauso verhalten erlebte ich dann meinen Auftritt. Ja, die Interaktion mit dem Publikum da und die Töne habe ich alle gut getroffen, aber es wirkte alles noch zu sehr verhalten.

Bei der Analyse meiner Straßenmusik Songs gab es dann auch ein paar Lichtblicke. Das wirkte deutlich stimmiger und sicherer und auch mein Gesang wirkte viel präsenter. Hier nahm ich für mich vor allem mit: Einfach mal machen und ausprobieren, damit ich besser werde.

Jazz-Referat

Mit diesem versöhnlichen Gefühl konnte ich dann auch das Referat von Astrid zum Thema Jazz genießen und fand mich teilweise sogar positiv an meine Zeit an der Musikschule zurückerinnert. Damals spielte ich einige Ragtimes am Klavier, die anscheinend zu den Anfängen des Jazz zählten.

Musiktheorie praxisnah erklärt

Und auch beim abschließenden Theorieunterricht mit Andrés gab es für mich einen AHA-Moment. Ich hatte zwar damals mehrere Jahre Theorieunterricht und kenne an der Gitarre etliche Akkord Sequenzen in- und auswendig, aber ich stieß bei Andrés Erklärungen auch auf eine Verständnislücke. Über das Spielen auf der Gitarre hatte ich mich daran gewöhnt, eher „mathematisch“ über Akkordfolgen nachzudenken – also, wenn z.B. die Grundtonart im 3. Bund zu spielen ist, in welchen Bünden finde ich dann die nächsten passenden Akkorde – und jetzt habe ich wieder den bewussten Weg gelernt, „musikalisch“ darüber nachzudenken. Keine Sorge, falls du das jetzt nicht direkt nachvollziehen kannst.

Viel zu schnell vorbei

Mit vielen verschiedenen Anregungen und – den Worten von Marion und Andrés: Mach dir nicht so viele Gedanken. Der Trick ist: EINFACH MAL MACHEN! – machte ich mich wieder auf den Heimweg.

Die brennende Frage für mich war: Werde ich, der Theoretiker bis zum Ende der Ausbildung es schaffen, den Spaß in den Vordergrund zu bekommen und nicht den „Perfektionismus“, den es nach Andrés, nur im Kopf von einigen Menschen gibt, der im Generellen jedoch nicht existiert. Alles was in der Kunst funktioniert ist richtig.

Ich freue mich auf die nächste Stufe der Weiterentwicklung und werde versuchen Musik mehr zu leben, statt zu versuchen „sauber zu spielen/ singen“.
Hol dir dein GRATIS Ticket für unsere nächste MUSIC NIGHT am 13. September 2025

Dein Michael

The following two tabs change content below.

Michael Hendrich

Hallo Welt! Ich bin Michael, 35 Jahre alt und lebe mit meiner Frau, 2-jährigem Sohn und 6 Monate alten Tochter in Hanau. Ich bin seit ich 5 war musikalisch tätig. Erst am Klavier, dann Gitarre und mit Bands im Studium dann auch „an der Stimme“. Bis zum Juli 2024 hatte ich immer das Bild, dass tolle Sänger ein besonderes Talent haben und ich eine Stimme, die sowieso nie als Leadsänger reichen würde. Dank Marion und Andrés lernte ich jedoch im 4-tägigen Intensivworkshop, dass in mir noch viel Potenzial schlummert und ich Musik bisher nur auf der theoretischen Seite verstanden hatte. Ich habe Musik nicht nur mit angezogener Handbremse, sondern dazu noch einem riesigen Schlitten voller Backsteine gelebt (ihr versteht sicher…). Jetzt habe ich mich auf die Reise der Sängerausbildung gemacht, um meine musikalische und gesangliche Freiheit zu finden. Davon berichte ich euch hier in den nächsten 6 Monaten.

*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert