
Sängerausbildung: Azubi-Blog Teil 3/6 – 10.01. – 11.01.2026
Ausbildungseinheit 3/6 vom 10.01 – 11.01.2026
Willkommen zum 3/6 Teil unserer Sängerausbildung
Was für ein Wochenende …!!! Wo soll ich anfangen? Vielleicht bei den schneestürmischen Wetterverhältnissen, die einen Teil von uns einerseits einen Tag früher hat anreisen und dadurch einen zusätzlichen grandiosen Abend verbringen lassen (ein Hoch auch auf Vaierly – den veganen Bio Eierlikör, der unseren Prosecco mächtig aufgewertet hat).
Andererseits hat das Wetter leider unserem lieben China-Girl einen Strich durch die Rechnung gemacht, so dass wir die inzwischen 3. Ausbildungseinheit und damit das Bergfest unserer SängerInnenausbildung ohne ihren physischen Support durchstehen mussten. Ja, durchstehen.
Freitag, Einzelunterricht
Ich kann euch sagen, dass wir an diesem Wochenende alle ein Stück über uns hinausgewachsen sind. Bei mir fing es schon am Freitag mit dem Einzel-Coaching an. Einfach irre, was da stimmlich “noch so geht“, wenn die richtige Atemtechnik zum Einsatz kommt.
Jaaaa, schon klar, Atmung ist das A und O, No-Brainer – denkste. Auf die Umsetzung kommt es an. Und da sage ich euch ganz ehrlich, 10 Minuten mit Andrés im “Driver’s Seat“ und Marions (göttlichen!!!) Händen auf meinem Bauch und meinem Rücken haben mehr gebracht als ausgiebige YouTube-Tutorials über Jahre. Ihr müsst es erleben, um es nachvollziehen zu können. Atmen ist das eine, ein freier Geist das andere.
Samstag, es geht los
Und in diesem Zeichen stand unsere 3. Einheit der Sängerausbildung. Unser Motto war die Neue Deutsche Welle, gespickt von ein paar Einflüssen aus Musicals und anderen emotional geladenen Genres. Geile Mischung. Am ersten Tag unseres Trainings haben wir im intensiven Brainstorming und Reflektieren als Team die Bedeutung einer publikumswirksamen Performance erarbeitet. Unser bisheriges Vorgehen: Songs stehen fest, auf die Bühne, bestmöglich “abliefern“ und auf Wiedersehen. Aber warum machen wir das überhaupt??
Was bitte hast du als Musiker davon, einen astreinen Auftritt zu liefern, den das Publikum nicht feiern kann, weil es keinerlei Bezug dazu herstellen kann? Hmmm, Sinnkrise. Ein wenig erinnerte mich das Ganze and Jeff Bezos und sein Zitat “We’re customer-obsessed“ (by the way, bei Amazon wird in Besprechungen immer ein leerer Stuhl aufgestellt, der den Kunden symbolisieren und immer wieder an die Frage erinnern soll: “Was will/braucht der Kunde überhaupt?!“).
Und plötzlich siehst du nicht mehr deinen einzelnen Auftritt, sondern auch den deiner Peers und fragst dich: Welchen für das Publikum unterhaltsamen Rahmen können wir daraus schaffen? Schnell begriffen wir, dass die einzelnen Songs verhältnismäßig zweitrangig sind. Klar, idealerweise sind sie bereits bekannt oder so „catchy“, dass jeder gleich mit aufspringt. Noch wichtiger ist jedoch, wie jeder Song als Teil eines großen Ganzen (Show-Programs) inszeniert werden kann.
Da es unsere allgemeine Stimmung bestens aufgriff (Übermut, Fall, Zweifel, Erkenntnis, Befreiung, Ekstase) entschieden wir uns schnell für “Die Achterbahn des Lebens“ als Rahmen.
The Show – MUSIC NIGHT
Wir starteten mit Angie in der “Schickeria“, in der sich Anni im Hintergrund bereits von der unbekümmert Champagner-schlürfenden Party-Maus zum tiefgründigen Sorgenfall entwickelte, der sein Erlebtes als “goldener Reiter“ verarbeiten würde. Alter … (ich weiß, junge Menschen sagen Digger oder Bruder), was hab‘ ich geschwitzt!! Andrés hatte die fixe Idee, die Bühne dunkel zu halten und eine bekleidete Gummi-Puppe (der ich vorher zusammen mit Marion noch fachmännisch das “Gemächt“ radikal weggeklebt habe) auf einem Steckenpferd über die Bühne reiten, eine Haushalts-Klappleiter besteigen und pünktlich zum Refrain immer fallen zu lassen. Natürlich sollte sich der Reiter wie durch Zauberhand bewegen. Die Zauberhand war ich. Von Kopf bis Fuß in schwarz gehüllt. Was soll ich sagen? Der Erfolg gibt ihm recht. Das Publikum hat sich weggeschmissen. Dafür lohnt es sich definitiv die ein oder andere Strapaze auf sich zu nehmen. Und ich kann das diskrete Führen einer Gummipuppe als special skill auf meinem Curriculum Vitae (Lebenslauf) aufführen.
Weiter ging es mit Soona, die mit “Mr. Tambourine“ einen Klassiker zum Besten gab, der gleich zum Mitsingen und Mitschunkeln animiert hat. Matthias löste mit Leichtigkeit ab, den wir mit “ Señorita“ von K One und Pietro Lombardi gleich in einer faszinierenden Doppel-Rolle als Sänger und Rapper erleben durften. Wow-wow-wow!!! Die Temperatur stieg spätestens an, als jede von uns zum Refrain mit ihm flirten und tanzen durften.
Wie willst du DAS noch steigern?! Ich hab’s erst gar nicht versucht und einfach einen Stimmungs-Garant wie “Skandal im Sperrbezirk“ rausgehauen! Aber glaub‘ mal nicht, dass das ausreichend gewesen wäre. “Hast Du Lust, dich auf ein Experiment einzulassen?“ hieß es von Andrés in den Vorbereitungen und kurze Zeit später stand ich vor Marions geschultem Auge als “Rosi“ vor der Kamera. In Sequenzen wurden während des Auftritts verschiedene Posen und Bewegungen von Rosi (ich wurde dazu räkelnd im Studio aufgenommen) eingeblendet, während ich sie als Silhouette, mit Rücken zum Publikum besungen habe. Der Effekt war buchstäblich begeisternd und hat definitiv den Unterschied gemacht, um ein bekanntes Lied neu zu erleben!
Die zweite Runde glich dann einer Metamorphose. Aus der schunkelnden Soona wurde eine rührende Ausgabe von Leonard Cohen’s “Hallelujah“, der Kontrast zwischen dem quietsche-pinkfarbenen Stirnband in ihrer lockigen Mähne und ihrem emotionalen Spiel am Piano hätte größer kaum sein können. Der Raum war erfüllt von diesem intimen Moment. Das Piano durfte bleiben.
Angie schwang sich diesmal als überzeugender Whisky-Addict mit “Johnny Walker“ von Marius Müller Westernhagen auf die Bühne und ließ sich dabei von niemand geringerem als Andrés himself am Piano begleiten. Was für ein unvergesslicher Auftritt!! Wir waren uns schnell einig, dass wir alle gerade Zeugen eines legendären Auftritts waren, den es so nicht nochmal geben wird. Angie hat ihre Birne abgeschaltet und ihr Herz übernehmen lassen. Das Ergebnis war neben einem rauchig-stimmlichen Ohrenschmaus und dem vertrauten “Wohnzimmer-Setting“ mit Andrés am Piano, eine einzigartige Chemie. An dieser Stelle nochmal DANKE für diesen unvergesslichen Moment.
Kennt Ihr das Gefühl, wenn Ihr eigentlich schon wohlig satt seid und ihr dann doch noch Platz für eine köstliche Praline findet? So in etwa fühlten wir uns als Angies Auftritt von Annis mystisch-hypnotisierender Darbietung von Kate Bush’s “Wuthering Heights“ abgelöst wurde. Die reinste Sinnesbefeuerung! Töne, die so hoch sind, dass sie dich auf gleichermaßen faszinierende und an die Schmerzgrenze kratzende Weise in ihren Bann ziehen. Hinzu kam Annis Erscheinung wie sie in einem Brautkleid und langen, grünen Haaren geisterhaft zwischen Grabstein und an die Leinwand projiziertem Fenster fast schon schwebte. Wir schienen einen Auftritt lang, den Atem anzuhalten. Magisch. Auch hiernach wäre ein Schlussstrich nach dem Motto “das ist nicht mehr zu toppen“ angebracht gewesen.
Nicht mit Matti!!! Der hat sich mit “Major Tom“ ein ganz besonderes Projekt auf der Bühne vorgenommen. Schwupps war der Raum von kosmischen Helium-Ballons gefüllt, mittendrin ein transformierter Matti in “Silber-Optik“ und einer Stimme aus Gold, attestiert von einem tosenden Applaus aus unserem fantastischen Publikum, in dem sich neben Freunden und Fans auch angehende POWERVOICE Coaches, Daniel, Marco und Biggi, befanden, die uns mit ihrer Leidenschaft und Erfahrung auch anschließend mit wertvollem Feedback zur Seite standen. Einfach toll!
Also, ich muss euch sagen, die Stimmung, die meine Gruppe da vorgebaut hat, hätte nur noch ein richtiger Idiot kippen können. Und so war der Raum schon derart vorgeheizt, dass ich mit meinem “Time Warp“ den 11-Meter quasi nur noch verwandeln musste. Gesagt, getan. Sprung nach links, Schritt nach rechts, Hände in die Hüfte, Knie zusammen und das Becken kreisen, was das Zeug hält!!! Aber glaubt mal nicht, dass hier kein gesanglicher Anspruch mit verbunden war. Immerhin habe ich mich zum Auftritt in eine Art Schizophrenie begeben, um zeitgleich den Rocker, die Besessene und die Quietsche-Ente auf der Bühne zu mimen.
Hammer, ich glaube so müde waren wir nach dem Auftritt schon lange nicht mehr. Und gleichzeitig so aufgedreht, dass wir die intensiven Erlebnisse des Tages noch bis in die frühen Morgenstunden besprochen und verarbeitet haben.
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The day after
Der nächste Morgen unserer Ausbildung startete gleich mit hartem Tobak. Auf dem Zettel standen drei vermeintlich einfache Fragen:
- Wo will ich musikalisch hin?
- Wie viel investiere ich dafür?
- Wo stehe ich gerade?
Oha. In Stillarbeit ging es an die Beantwortung der Fragen und schnell wurde uns das philosophische Ausmaß dieser Selbstreflektion bewusst. Aus der anschließenden Besprechung in der Runde wurde ein hochemotionaler, tiefgründiger Austausch. Ich bin dankbar für diese Offenheit und das Vertrauen, das wir in der Gruppe entwickelt haben. Es gibt keinen Mut ohne Verletzlichkeit und keine Entwicklung ohne Wagnis. Und wieder einmal wurde uns klar, dass freies Singen in erster Linie Seelenarbeit ist. Nenne es “Mindset“, wenn dir der Begriff sonst zu esoterisch erscheint. Entscheidend ist, uns der jeweiligen Blockaden bewusst zu werden, die wir in uns tragen, angefangen beim banalen, inneren Monolog “Der Ton ist so hoch, den kriege ich nie“ …, der uns aktiv sabotiert, über Glaubenssätze, die wir über Jahre nie hinterfragt haben, bis hin zu der Abhängigkeit von externem Zuspruch.
Die Tränen, die dabei geflossen sind, sprechen für sich und haben gleichzeitig eine befreiende Bewegung in uns in Gang gesetzt, die noch lange nachwirkt. Da stinkt selbst ein Johnny Walker ab. Wir trauen uns hinzusehen, wo es vielleicht zunächst weh tut und werden belohnt mit einer authentischen Stimme, die sich aus genau diesen Gefühlen nähren kann. Technik lässt sich erlernen, bei Andrés und Marion. Authentizität erwächst in dir und ist der entscheidende Anker, den du auswerfen wirst, um Menschen nicht bloß zu unterhalten, sondern zu fesseln und zu berühren. Macht das Sinn? Darauf kannst du wetten.
Da Da Da – Referat über die NDW
Nach der Videoanalyse ging es weiter mit meinem Referat über die Neue Deutsche Welle (NDW), die Anfang der 1980er Jahre entstand und die deutschsprachige Popmusik nachhaltig veränderte. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich die Szene vom Underground-Phänomen zum Massenpop und brachte zahlreiche Hits hervor, die auch international Aufmerksamkeit erregten. Typisch für die NDW war ihre stilistische Vielfalt von experimentell über humorvoll bis gesellschaftskritisch.
Obwohl ihre Hochphase nur wenige Jahre dauerte (etwa 1980–1984), gilt sie bis heute als kultureller Wendepunkt in der deutschen Musikgeschichte.
Einer dieser Hits, ist der Song „Da Da Da“ von Trio aus dem Jahr 1982. Dieser Song war so extrem erfolgreich: Weltweit wurde „Da Da Da“ rund 13 Millionen Mal verkauft, davon etwa 3 Millionen Exemplare allein in Europa. „Da, Da, Da“ zählt zu den erfolgreichsten deutschen Pop-Singles überhaupt und steht sinnbildlich für die kreative Radikalität und den internationalen Einfluss der Neuen Deutschen Welle.
„Da Da Da“ ich lieb dich nicht du liebst mich nicht aha aha aha
Wir sind bereit für die 4. Ausbildungseinheit und wir würden uns freuen, wenn du bei unsere nächsten MUSIC NIGHT, am 14. Februar, mit am Start bist.
Kostenlose Tickets gibt es hier.
Bis ganz bald,
eure Herminda
Herminda Martinez
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