Berlin – Silvester 2022 – ein einschneidendes Erlebnis

Berlin – Silvester 2022 – ein einschneidendes Erlebnis

Was für ein Silvester …

Wir fuhren am 31. Dezember 2022 nach Berlin, um hier “Unter den Linden” am Pariser Platz Silvester zu feiern. Es sollte ein einschneidendes Erlebnis werden. 

Nach dem Einchecken im Hotel ging es gegen 17:00 Uhr zum Ort des Geschehens und wir bekamen direkt einen Platz mit guter Sicht auf das Brandenburger Tor. 

Wir führten tolle Gespräche mit unseren Tischnachbarn, die aus Mexiko Argentinien, und Peru kamen. Um ein wenig die Atmosphäre auf der langen Straße mitzubekommen, beschlossen wir erst einmal unseren Platz zu verlassen. 

Immer wieder fuhren Polizeifahrzeuge um den Platz. Die Polizei ließ über Lautsprecher verlauten, dass die Menschen bitte friedlich miteinander umgehen, und auf Pyrotechnik verzichten, sollten, da es in der Menschenmasse zu gefährlich sei.

Vorfreude und Realität

Zu diesem Zeitpunkt gab es vereinzelte Raketenabschüsse, aber auch verbotene Böller mit einer irren Kraft und Lautstärke. Dann gab es einen Einsatz, bei dem etwa 15 Polizisten durch die Menge eilten, um an einen Einsatzort zu gelangen. Begleitet wurde das durch laute “Bullen, Bullen”-Rufe. Videogeile Menschen versperrten ihnen den Weg – zur Seite gehen war für sie keine Option. So mussten sich die Polizisten einen Weg bahnen und das wurde schließlich mit “Scheiß Bullen” kommentiert. 

Mir reichte diese Ignoranz und so runzte ich einen Vater und seinen Sohn an, wie krank es sei, die Polizei zu behindern. Ich sah ihnen an, dass sie mit meiner Reaktion nicht gerechnet haben und sie tatsächlich ein wenig betroffen waren, aber durch die Massenhysterie haben sie mitgemacht, was die anderen Idioten vorgaben. 

Ein Krankenwagen bahnte sich den Weg durch die Massen, begleitet von Buhrufen, da keiner der Feierwütigen seinen erkämpften Platz aufgeben wollte. Andere sahen sofort die Möglichkeit weiter nach vorne zu gelangen, indem sie hinten auf das Fahrzeug aufsprangen. Sie fuhren einfach mit dem Krankenwagen mit.

Immer wieder stiegen betrunkene Jugendliche auf die Dächer der Toilettenhäuschen, um die “besten Plätze” zu haben.  Das schien erst einmal nicht gefährlich, aber sie nahmen Bierflaschen mit nach oben und so manche landete in der Menschenmenge, auch drohten sie vom Dach zu fallen und andere Menschen zu verletzen. 

Eine lange Schlange steht vor den Toilettenhäuschen, plötzlich schreit eine Mutter auf. Ein krankes Hirn hat einen angezündeten Böller in die Kapuze ihres Kindes gelegt. Wie kann man nur so hirnverbrannt sein und Kinder durch solch eine unüberlegte, ja lebensgefährliche Aktion, gefährden?!

Es werden immer mehr Raketen abgeschossen, mitten aus der Menschenmenge. Menschen fliehen zu den Seiten, um nicht getroffen zu werden. Das Gedränge wird größer, wenn jetzt jemand fällt und die anderen stolpern, dann würde Panik ausbrechen und Menschen kämen zu Schaden.

Die Stimmung wird immer aufgeheizter. Die Raketen-Bewaffneten fangen an Häuser zu beschießen, ganz gezielt werden Fenster, Balkone und Fahnen angepeilt. Wer im Kreis um die Abschussbasen steht droht getroffen zu werden, da nicht jede Rakete in die Luft geht, sondern auch mal am Boden entlangschießt. 

Die Einsatzkräfte können nicht eingreifen, da der Weg durch die Menschenansammlung Minuten dauern würde. Wie sollte man sich bemerkbar machen, wenn es Verletzte gäbe? Man bräuchte viele Minuten, um eine Seitenstraße zu erreichen.

Es sind zahlreich Kinder vor Ort, viele Väter sind in der ersten Reihe, die Kinder auf den Schultern, damit sie das Spektakel aus nächster Nähe sehen können.  

Die Stimmung wird immer aufgeheizter, die Chefs der Abschussrampern werden immer “mutiger”, besser gesagt leichtsinniger, brutaler. Raketengeheule wechselt sich ab mit den Sirenen von Feuerwehr, Krankenwagen und Polizei. 

Wir wollten einfach nur feiern, hatten diesen Ausnahmezustand nicht erwartet. Die Respektlosigkeit gegenüber den Einsatzkräften und den Mitmenschen machten uns fassungslos.

Geschrottete Bushaltestellen, brennende Gegenstände und das Feuer wird immer wieder mit Nahrung gefüttert. Autos, die mit Raketen und Böllern beschossen werden – was passiert in den Hirnwindungen dieser, ich bezeichne sie als “asozialen Mitbürger”?

Mitternacht

Wir haben uns mit zwei Cola Light bewaffnet und stoßen an. Uns ist die Lust auf ein alkoholisches Getränk vergangen. Jetzt geht das Spektakel erst so richtig los und unter Kontrolle ist jetzt nichts mehr. Ich möchte nicht wissen, wie viele Verletzte es gegeben hat, wie viele Kinder darunter waren. 

An irgendwelche Verordnungen oder Respekt vor den Mitmenschen halten sich die Bekloppten schon lange nicht mehr. Einige Restaurants haben vor Mitternacht geschlossen, um ihr Eigentum zu schützen. Wer seine Stühle und Tische nicht verschlossen hat, dem fehlten am Neujahrstag Tische und Stühle oder selbige haben nur noch ein, zwei oder drei Beine.

Wären wir an unserem Sitzplatz geblieben, den wir vor Stunden verlassen haben, hätten wir das ganze Chaos nicht mitbekommen. Wir saßen an Tischen, fernab von den Chaoten. Zu sehen, wie gewissenlos und gewaltbereit manche Menschen sind, ließ uns Silvester aus einer anderen Sicht betrachten.

Wir mussten raus aus dem Pulk. Außerhalb der Menschenmasse war es wie eine Befreiung. Wir konnten wieder durchatmen.

Doch auch hier gab es Idioten, aber die Polizei hatte hier die Kontrolle, oder zumindest nach kurzer Zeit. Die Polizei wirkte immer besonnen, auch wenn einige stark alkoholisierte Menschen sich nicht benehmen konnten.

Hier gab es herausgerissene Pflastersteine, Scherben, blutende Menschen, kaputte Autos.  Aus “sicherer Distanz” blendeten einige, mit maximal 99 Gramm Hirnmasse versehene Vollidioten, Autofahrer, so auch auch Rettungsfahrer. Laserpointer als Waffe eingesetzt, wie kleingeistig muss man sein? Bewusst in Kauf nehmend, dass durch ihre Aktionen Menschen sterben könnten.

Ich darf hier mal eine Lanze für alle Einsatzkräfte brechen, die besonnen und  deeskalierend, auch auf die stark alkoholisierten Menschen, die sich nicht benehmen konnte, eingingen. 

Ich möchte nicht Feuerwehrmann, Polizist, Pfleger, Arzt oder Sanitätern sein. Diese Menschen helfen und und retten Leben. Chaoten verhindern das und sind im schlimmsten Fall verantwortlich für Menschen, die durch sie sterben.
Wie respektlos und gewaltbereit einige Menschen in unserer Gesellschaft sind, ist unfassbar! 

Auf dem Weg zum Hotel sprachen wir darüber “solch ein Silvester” nie wieder erleben zu wollen.

Bis in den Morgen

Mir gingen viele Gedanken durch den Kopf und ich konnte lange nicht einschlafen. Das letzte Mal schaute ich um 4:10 auf die Uhr. Draußen gab es ein Spiel: Erst Böller, Raketen – es hat sich angefühlt wie ein Krieg und kurze Zeit später die Sirenen der Einsatzkräfte. Silvester war für mich bisher immer ein großartiges Fest. Dieses Jahr war es ein großes unartiges Fest mit bleibenden, unangenehmen Erinnerungen. 

Nächstes Jahr möchten wir woanders feiern, irgendwo, wo es lustig ist und man nicht solchen Hohlbratzen begegnet. 

Es waren ja nur ein Promille der Feiernden, die sich so benommen haben, aber einige von denen man sollte einsperren und ein ganzes Jahr lang Videos anschauen lassen von Menschen, die durch soche Handlungen zu schaden gekommen sind. Anschließend müssten sie alle diese Menschen besuchen, oder deren Angehörige …

Zum Glück hatten wir 2022 bereits 364 wunderbare Tage. Wir freuen uns auf 2023, auf die tollen Begegnungen mit den vielen Menschen mit Hirn und Leidenschaft für Musik!

Wir wünschen dir ein großartiges Jahr 2023!

Jeder Mensch ist Musik! Sei gute Musik! 

The following two tabs change content below.

Andrés Balhorn

Owner and Founder bei POWERVOICE
Andrés Balhorn ist POWERVOICE Gründer, Vocal Coach Ausbilder, Rocksänger, Produzent und Komponist. Seit 1987 ist er als Dozent ein Vorreiter für modernen für Rock/ Pop Gesangsunterricht. Sein 1996 im GERIG Verlag erschienenes Buch POWERVOICE avancierte zum Fachbuchbestseller und ist mittlerweile in der 14. Auflage. Mit mehr als 600 gegebenen Workshops ist er einer der erfahrensten Vocal Coaches in Europa.

*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.