Sängerausbildung in Stuttgart – Teil 6 – Oktober 2016

Sängerausbildung in Stuttgart – Teil 6 – Oktober 2016

POWERVOICE Sängerausbildung in Stuttgart

Ausbildungseinheit 6 vom 19. – 20.10.2016

Während ich dies schreibe, läuft die SWR1 Hitparade und tröstet mich über das Ende unserer Sängerausbildung hinweg. Wenn Andrés das wüsste, würde er wahrscheinlich einen Stoßseufzer der Erleichterung ausstoßen: immerhin muss er nun nicht mehr unter den „Inspirationen“ leiden, die mir diese ganz besondere Woche musikalisch beschert. (Eine Cover-Version von „In-a-gadda-da-vida-baaaaby“! Warum bin ich da nicht vorher draufgekommen? 17 Minuten gepflegte Psychedelik, davon allein 13 Minuten Gitarren- und Schlagzeug-Soli! Naja, zu spät …  )

Das letzte Ausbildungswochenende steht ganz im Zeichen der Rockoper, deren Setlist zwar vielfältig, aber nicht besonders exzentrisch ist. Die Songs auszuwählen, das haben wir immerhin im Vorfeld geschafft. Unser Drehbuch ist allerdings immer noch ziemlich fragmentarisch, wir hatten alle viel zu viel um die Ohren, um uns dann spätabends noch virtuell zusammenzusetzen und zu brainstormen. Entsprechend hoch ist dann auch der Grad der Anspannung am Samstag Vormittag, als wir wieder zusammentreffen.

Steffi noch etwas planlos

Steffi noch etwas planlos

Petra und ich auch ein wenig

Petra und ich auch ein wenig

Zunächst geht es darum, die Technik zu einzurichten. Wir bekommen mal einen kleinen Vorgeschmack, was im Vorfeld eines Konzertes alles zu beachten ist. Passt der Sound – für das Publikum, für den Sänger auf der Bühne? Bei den zart gehauchten Songs genauso wie bei den gewaltigen Tönen? Wie sind die einzelnen Playbacks ausgesteuert? Wer steht in welcher Szene wo, wie viele Leute sind jeweils auf der Bühne (schwer zu sagen, da die Handlung ja noch gar richtig steht)? Sind die Kabel der einzelnen Mikros lang genug, gibt es an bestimmten Stellen Rückkopplungen? Da werden Kabel gezogen, Boxen hin und her geschleppt, Monitore gedreht, Regler rauf- und runtergezogen. Höchste Konzentration bei Andrés, der den Sound unerbittlich optimiert. Glücksgefühle bei den Sängern, wenn sie sich dann auf der Bühne mal so richtig gut hören können. (Bloß nicht dran gewöhnen! Im realen Sängerleben dürfte so ein optimaler Sound die Ausnahme sein.)

Panik auf der Titanic

Es ist dann schon Nachmittag, als alles steht und Andrés und Marion uns unserm Schicksal überlassen. Wir müssen schließlich aus unseren Fragmenten noch einen Bühnenhit basteln. Die Nervosität wächst – bis Petra uns ein therapeutisches Schlückchen Sekt verordnet. Das hilft schließlich, die Anspannung weicht der Lust am Herumspinnen, wir diskutieren das Schicksal unserer Protagonisten, feilen an einzelnen Szenen, testen die Wirkung von bestimmten Posen und Bewegungen. Und so entsteht ein 75-minütiges Epos um Liebe und Schiffbruch, gegen das „Titanic“ mächtig abstinkt.

Die Sache hat bloß einen Haken. Als Andrés und Marion wieder auf der Bildfläche erscheinen, haben wir immer noch nicht geprobt. Schlimmer noch, die arme Caroline musste ausgerechnet an dem Tag eine Klausur schreiben und stößt erst 5 Minuten vor der Generalprobe (die somit auch unsere einzige Probe ist) zu uns. Sie kriegt Sekt und eine Schnelleinführung in Sachen Handlung verpasst und darf sich dann in das von Steffi liebevoll maritim dekorierte Setting stürzen.

Generalprobe

Generalprobe

Generalprobe

Generalprobe

Unsere Coaches sind ganz schön baff, was wir da für eine Nummer aus dem Hut zaubern. Impro-Theater vom Feinsten! Und ehrlich gesagt, die Generalprobe läuft sogar noch besser später als die Aufführung (was der Begeisterung des Publikums aber keinen Abbruch tut). Bei der Probe sind wir plötzlich alle so entspannt und entwickeln eine solche Spielfreude, als wären wir alle in unserem Element. Als hätten wir eine Schauspiel- und keine Gesangsausbildung hinter uns. Dass wir alle uns selbst spielen, macht es natürlich leichter.

Tja, Ihr armen Menschen, die Ihr die erste und einzige Aufführung der Rockoper verpasst habt, was mache ich nun mit Euch? Ich könnte Euch die Handlung erzählen, aber da wird natürlich viel vom Zauber der Story verloren gehen. Indes braucht ja auch die Blogger-Azubine zum Schluss eine besondere Herausforderung …

Rockoper Revisited

Ort und Zeit der Handlung: hier und jetzt, beim letzten Ausbildungswochenende in unserem kleinen miefigen Proberaum. Die Protagonisten: wir selbst. Ausnahmsweise ist Steffi mal nicht die letzte, die eintrudelt. Wir warten alle auf Andrés, bis von selbigem eine Nachricht eintrifft: die Ausbildungseinheit fällt aus, stattdessen hat er uns ein Engagement im Showprogramm auf der AIDA verschafft. Damit wir endlich das tun, was er schon die ganze Zeit von uns verlangt: singen singen singen.

Die Euphorie bei den angehenden Stars ist groß. Nach dem Check-in auf der AIDA ist eigentlich Proben angesagt, stattdessen brechen sich die Träume und Hoffnungen Bahn. Jeder hat so seine eigenen Vorstellungen von der Selbstverwirklichung, dem großen Geld, dem unsterblichen Ruhm und – natürlich – der großen Liebe. Zumindest letztere scheint in Reichweite, denn bald knüpfen Matthias und Steffi zarte Bande.

Die Vorzeichen für den ersten großen Auftritt auf dem Open Air Deck sind allerdings ungünstig, der Wetterdienst hat Sturm vorhergesagt. Die Azubis ziehen ihre Show tapfer durch, mit viel Glamour und großer Geste geleitet Moderator Matthias die AIDA-Gäste durchs Programm. Schließlich will er die Show abbrechen, hat aber nicht mit Trotzkind Caroline gerechnet, die darauf besteht, ihren Song trotz des mittlerweile sehr ungemütlichen Wetters zu singen. Vor leeren Reihe performt sie ihr „Masterpiece“. Das grandiose Finale besteht aus einer Monsterwelle, die die gesamte Ausbildungsklasse von Deck und in die Fluten spült. Was für ein bitterer Verlust für die Musikindustrie …

denkt sich der gebannte Zuschauer – wird dann aber umgehend von „Marion“ (kongenial verkörpert von Caroline) via Snapchat informiert, dass sich die Azubis allesamt auf eine Insel retten konnten – sie wissen es nur noch nicht. Vor allem Steffi trauert melod(ramat)isch am Strand, meint sie doch die gerade gefundene Liebe ihres Lebens wieder verloren zu haben. Bis sie den lediglich bewusstlosen Matthias in den Dünen entdeckt und ihn mit sanfter Gewalt wieder zum Leben erweckt. Herzzerreißende Szenen spielen sich ab, bis auch der Rest der Schiffbrüchigen auftaucht und die sentimentale Wiedersehensfreude in allgemeine Partystimmung übergeht. Zu „La Isla Bonita“ grooven die Azubis in die Nacht …

Schnitt. Viele Jahre später erinnert sich die Erzählerin an diese denkwürdige Reise und das, was danach kam: die Seenotrettung, die dem fröhlichen Inselleben bald ein Ende machte und die Sängerinnen und den Sänger wieder zurück nach Stuttgart brachte, in die Obhut von Andrés, der ihnen erstmal die Flausen austreiben musste. Auf die Ernüchterung folgt dann natürlich die strahlende Zukunft – aber an dieser Stelle schweigt des Bloggers Bescheidenheit.

Caroline auf der "Titanic"

Caroline auf der „Titanic“

Fenja auf der Titanic

Fenja auf der Titanic

Das "Titanic - Storyboard" für Andrés

Das „Titanic – Storyboard“ für Andrés

Herzlichen Glückwunsch uns allen

Herzlichen Glückwunsch uns allen

Time to Say Goodbye

5 Akte und 15 Songs später kann das Publikum des Abschlusskonzerts (im Gegensatz zur AIDA haben sich die Reihen hier kein bisschen gelichtet) endlich aufatmen. Die atemlose Spannung verwandelt sich auch im real life in Partystimmung, als die Open Stage beginnt und tolle Gastsänger den Zuschauern und den erleichterten und stolzen Absolventen einheizen.

Am nächsten Morgen herrscht dagegen schon ein bisschen Wehmut und Katerstimmung. Nun geht alles rasend schnell, es gibt noch mal eine ausführliche Feedbackrunde zu jedem einzelnen Azubi, wir schauen gemeinsam die Videoaufzeichnung von der Rockoper an und dann …

sind die 6 Monate Gesangsausbildung plötzlich vorbei. Ganz nachdenklich fahre ich nach Hause, in den goldenen Oktobernachmittag hinein. Es ist ja nicht nur so, dass ich meinem Ziele, meine eigene Stimme zu finden, ein Stück weit näher gekommen bin. Ich habe ein halbes Jahr lang mein Leben, meine Sorgen und Freuden, meine Schwächen und Erfolge mit anderen Menschen geteilt. Ich durfte diese Menschen und das, was sie bewegt, kennenlernen, ihre Geschichte und all das, was sie als Gabe und als Bürde für ihre Musik wie auch für ihr Leben mitbringen. Die Ausbildung hat viel verändert, ich habe mich verändert.

Michi und Tom bei der Open Stage

Michi und Tom bei der Open Stage

Time to say goodybye

Time to say goodybye

POWERVOICE in 16 Zeilen

Wir bleiben in Kontakt, online und hoffentlich auch bei zukünftigen Treffen, wir werden weiter mit unseren Coaches arbeiten und verbunden sein durch unsere Liebe zur Musik. Doch bevor ich sentimental werde, schließe ich lieber meinen Blogbeitrag. Diesmal nicht mit einem Fazit oder einer Zusammenfassung – sondern einer kleinen Sensation! Denn es ist gelungen, das Erfolgsgeheimnis von POWERVOICE in 16 Zeilen – für jedermann verständlich – zusammenzufassen. Das Verdienst gebührt Petra, die ihre bahnbrechende Erkenntnis im Rahmen der Rockoper bei ihrer Verbalhornung (sic!) von „Money Money Money“ erstmals mit der Menschheit teilte:

Nach der Melodie von „Money, Money, Money“ von ABBA

Ich atme ein und atme aus
Die Luft die darf nicht einfach raus
(schlürf sie rein)
Die Spannung hier und Spannung da –
Die Stimme wird so hoch und klar
(so soll’s sein)

In deinem Körper hat’s ganz viel
Hohle Räume und Klangprofil
Wir finden sie, probier es aus
Dann kommen geile Töne raus

Andrés, Andrés, Andrés
Und die Marion
Von POWERVOICE
Andrés, Andrés, Andrés
Und die Marion
Helfen uns dabei

Snapchat-Story: Gesangsausbildung Stuttgart – Teil 6

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen treuen Lesern meiner Ausbildungsblogs bedanken. Da ich POWERVOICE verbunden bleibe kreuzen sich unsere Wege sicherlich in Kürze wieder! 🙂

Ciao, sagt eure,

Anne-Katrin

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Anne-Katrin Hillebrand

Hallo, ich bin Fenja und seit Mai 2016 Sängerin in Ausbildung bei POWERVOICE. Will man meiner Mutter glauben, war "Krach" mein allererstes Wort, und dementsprechend bin ich musikalisch im Industrial/Noise zuhause. In dieser Szene habe ich einige Jahre als DJ aufgelegt und als Frontfrau eines Projektes meine Texte ins Mikro gebrüllt. Da mich Vorhersehbarkeit langweilt, habe ich parallel noch klassischen Gesangsunterricht genommen, war Sängerin einer Dark-Rock-Band und bin schließlich bei POWERVOICE gelandet. Hoffentlich lerne ich hier nun endlich das Singen 😉 Da ich gern schreibe und blogge, hat man mich als Chronistin auserkoren, und ich hoffe, Ihr habt Spaß an meinen Impressionen von unserer Ausbildung.

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